Schmuck

Die Kleine Jagger

Kinder mit grossen Namen müssen sich oft rechtfertigen, warum sie dies oder jenes tun oder eben nicht. Ihr Leben ist eine Zwickmühle: Schön, wenn sie in die berühmten Fussstapfen treten, sie haben die Anlagen ja schliesslich geerbt, noch besser, wenn sie Erfolg haben. Aber irgendwie gehört er ihnen nie ganz alleine und daran könnte man verzweifeln. Nicht so Georgia May Jagger. Intermezzo mit einer selbstbewussten jungen Dame, die für eine 24-Jährige ganz schön aufgeräumt daher kommt.
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Ortstermin Berlin, China Club. Das Schmuckunternehmen Thomas Sabo hat sich – erneut, never change a winning spot - diesen angesagten Szeneclub ausgewählt, um während der Berlin Fashion Week seine Kollektion für die nächste Saison zu präsentieren. Stargäste: Die Protangonistinnen der aktuellen Kampagne. Tout Mode- und Lifestylepresse sind angereist, um den Erstauftritt von Model Shermine Shahrivar nicht zu verpassen, aber eigentlich sind alle gekommen, um einen Blick auf die Hauptattraktion des Termins, die Britin Georgia May Jagger zu erhaschen.

 

Ein Gespräch mit der 1,70 grossen Blondine musste man anmelden, das Management ist bemüht, gewisse Fragen nicht zuzulassen, bittet um Vorabzusendung selbiger (wobei die zu Fragende die Fragen am Ende des Tages gar nicht liest, wie sie freimütig zugibt, nur das Management, um sicher zu gehen..). Das Mädchen heisst Jagger mit Nachnamen, ist eines von bald acht Kindern des Rockstars Mick Jagger, ihre Mutter ist das Traummodel Jerry Hall. Natürlich kann man sich als Aussenstehender vorstellen, dass es schwer ist, mit so einer Vorgabe ein eigenes Image aufzubauen. Fragen nach dem Herrn Papa oder seiner Band seien zu unterlassen. Allerdings ist die PR-Angst völlig unbegründet: Georgia May Jagger kommt sehr selbstsicher daher, imponiert mit einer für so eine zarte Person ungewöhnlichen Präsenz und muss sich alles andere als an ihrer Familie messen lassen. Eine junge engagierte Powerfrau, zu Hause in der Welt der grossen Marken.

 

L’OFFICIEL Schweiz: Haben Sie ein Vorbild, eine starke Frau, die Ihnen imponiert?

Georgia May Jagger: Alle Frauen, die ich kenne, sind stark auf ihre Weise. In meinem Freundeskreis und in meiner Familie machen alle etwas Verschiedenes, sie inspirieren mich. Vivienne Westwood ist eine grossartige Frau, sie macht so viel in Sachen Ökologie und entwirft die Unisex-Kollektionen, das entspricht genaue meinem Denken. Ich habe mir ziemlich viel von ihr gekauft in letzter Zeit, es überzeugt mich, weil ein Konzept dahinter steckt.

Die Jacke, die Sie tragen, ist aber nicht von ihr...

Oh nein, das ist Gucci, das gefällt mir einfach gerade besonders gut. Zum Thema vorbildliche Frauen gehören auch alle meine Schwestern. Jade hat ein Baby bekommen, 20 Jahre nach ihren ersten Kindern. Ich finde das ziemlich bemerkenswert, sie hat bis kurz vor der Geburt gearbeitet. Alle diese Frauen inspirieren mich.

Wenn Sie die Macht hätten, etwas zu ändern in der Welt, wofür würden Sie sich engagieren?

Bildung für Mädchen ist ein wichtiges Thema, natürlich nicht so sehr in der westlichen Hemisphäre, aber ich denke, in ganz vielen anderen Teilen auf der Welt. Mit einer Ausbildung stehen Dir alle Türen offen und Du kannst alles erreichen in Deinem Leben, was Du willst. Das ist es, was ich tun würde.

Nachdem Sie so ein grosser Fan von Gucci sind, könnten Sie Salma Hayek bei ihrer Foundation Chime for Change helfen...

Ich habe sie schon getroffen, sie ist eine sehr sympathische Frau.

Und? Werden Sie etwas gemeinsam machen?

Das wäre fantastisch....

Wo sehen Sie sich in sechs Jahren, wenn Sie 30 sind?

Das ist eine Frage, die ich hasse. Ich versuche im Hier und Jetzt zu leben. Viele Menschen bedauern entweder die Vergangenheit oder sie haben Angst vor der Zukunft. Ich lebe den Moment, die Gegenwart. Ich bin dankbar für das, was ich habe, die heutige Gesellschaft ist besessen von der täglichen Jagd nach noch mehr und mehr. Ich denke nicht darüber nach, was ich noch erreichen möchte, bis ich 30 bin, ich will mich nicht diesem Druck aussetzen. Manche machen das, sie haben total hohe Erwartungen an sich selbst.

Frauen beginnen dann, über Heirat und Kinder nachzudenken...

Ob ich Kinder mit 30 haben werde oder nicht – darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Ich glaube, man kann das später machen, wann immer man den richtigen Zeitpunkt für gekommen hält.

Wissen Sie, ich war nie wirklich daran interessiert, auf Modepartys zu gehen, es gehört mehr zu meinem Job.

Was ist für Sie das Grösste, was Sie bisher erreicht haben?

Das kommt gerade, aber ich darf noch nicht darüber reden. Es ist so aufregend! Es bewegt sich im Rahmen von Mode und Ökologie, eine Mischung... Wenn ich mit Firmen zusammenarbeite und an das Projekt glaube, bringe ich mich völlig mit ein. Auf dem persönlichen Gebiet ist das Grösste, was ich bisher erreicht habe, dass ich mir in London ein Haus gekauft habe. Es war für mich immer wichtig, ein eigenes Zuhause zu haben und ich habe dafür gearbeitet seit ich mit 15 Jahren mit dem Modeln begann. Das war mein Ziel und im letzten Jahr konnte ich einziehen.

Mit 15 anfangen zu arbeiten – hatten Sie nie andere Pläne, bevor die Modelkarriere Fahrt aufnahm?

Ich habe immer noch andere Pläne. Ich bin immer weiter zur Schule gegangen und habe zwei Jahre lang die Universität besucht. Die habe ich zwar nicht beendet, aber ich habe immer hart gearbeitet, an den Wochenenden und in den Ferien, ich wollte sicher gehen, dass ich meine Ausbildung beibehalte. In der Mode ist man manchmal nur ein Objekt des Moments, wenn jemand Neues vorbei kommt, bist Du raus. Und weil das immer so ist, wollte ich mich mit einer guten Bildung absichern und auch andere Interessen verfolgen.

Heimwerkeln Sie in ihrer Freizeit in Ihrem neuen Haus?

Es gibt immer eine Menge zu tun. Ich wohne zurzeit mit meiner Schwester, ihrem Ehemann und dem Baby zusammen, weil sie ihr eigenes Zuhause renovieren lassen. Wir haben einen ganz schön vollen Haushalt im Moment, lauter Spielzeug überall und es gibt immer etwas zu tun.

Auf Ihrem Instagram Account können wir zwei Georgia Mays bewundern: Die eine ist total unbeschwert und lustig, die andere ein ernstzunehmendes Model. Welche von den Beiden sind Sie mehr?

Ich bewege mich viel mehr im alltäglichen Leben. Mein Pensum habe ich stark reduziert, ich mache nicht mehr so viele Dinge. Wissen Sie, ich war nie wirklich daran interessiert, auf Modepartys zu gehen, es gehört mehr zu meinem Job. Manchmal gehe ich. Es ist einfach nur ein Teil meines Lebens, es ist nicht mein ganzes Leben. Aber ich style mich gerne auf und nde alles, was damit zu tun hat, aufregend. Zu Hause bin ich eher ein Tomboy, die Zeit, die ich nicht arbeite, verbringe ich in Jogginghosen. Ich mag Mode, ich experimentiere gerne mit verschiedenen Kleidern, mache Dinge mit meinem Haar und meinem Make-up. Aber das ist alles nur zum Spass, das hat nichts Ernsthaftes an sich.

Ein Wort zu Freundschaften: Ihre besten Freunde sind alle Topmodels?

Nein, das bilden sich die Leute nur ein. Ich habe Freunde, die sind Models und welche, die sind es nicht. Mit Suki (Waterhouse) und Cara (Delevingne) war ich befreundet, bevor sie Models wurden. Wir gingen auf die gleiche Schule (Ipstock Place School in Roehampton) seit wir elf Jahre alt waren. Viele meiner besten Freunde sind keine Models. Und ich habe gute Freunde in der Modeindustrie. Ich glaube nicht, dass wir uns als Freunde bezeichnen, nur weil wir im selben Metier arbeiten.

Sie sind Markenbotschafterin für Thomas Sabo, waren das Gesicht in früheren Kampagnen.

Wir machen das jetzt seit zwei Jahren und es fühlt sich an, als wären wir schon eine Familie. Mit Ellen von Unwerth zu arbeiten, ist fantastisch. Sie ist unglaublich schnell, wir bekommen sehr vieles in kurzer Zeit erledigt.

Werden Sie irgendwann in der Zukunft etwas für das Schmuckunternehmen entwerfen?

In der Vergangenheit habe ich bereits diverse Sachen entworfen, aber Thomas Sabo hat mich bisher nicht gefragt, etwas speziell für ihn zu entwickeln. Vielleicht macht er es noch, ich würde nicht Nein sagen. Bei jedem Designauftrag versichere ich mich, dass ich auch wirklich hinter dem Produkt stehen kann, das meinen Namen in irgendeiner Art und Weise trägt. Alle Samples werden von mir kontrolliert, ich bin an allen relevanten Meetings und überwache, dass meine Änderungswünsche auch wirklich ausgeführt werden. Ich habe da einen sehr konkreten Standpunkt.

Mit Schmuck wären Sie eine Konkurrenz für ihre Schwester Jade...

Meine Schwester macht das seit 20 Jahren. Sicher nicht... 

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