Food

Hier isst die Schweiz

Die Schweiz hat vieles zu bieten. Exotische Spezialitäten und kulinarische Höhenflüge gehörten lange Zeit aber nicht dazu. Dass sich dies aber in den letzten Jahren drastisch geändert hat, beweist ein junges Paar, das sich der Entdeckung neuer Restaurants und Hot-Spots in der Schweiz widmet. Carrie Meier-Ho und Harry Meier sind die beiden Köpfe hinter dem meistgelesenen Food-Blog der Schweiz, «Harrys Ding», und inspirieren jedes Jahr Millionen von Lesern, Neues zu entdecken. Dabei schaffen sie eine einmalige Plattform für kulinarische Querdenker und Gastronomen.
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L’OFFICIEL Schweiz: Ihr Blog «Harrys Ding» gilt als die Gourmet-Bibel der Schweiz und überstrahlt sogar etablierte Koch- und Restaurantzeitschriften. Erzählen Sie doch, wie es zu diesem Projekt kam.
Harry: Dieses Projekt begann 2007 eigentlich aus Neugierde, bevor Carrie mit eingestiegen ist. Man könnte sagen, es gab da verschiedene Elemente, die mich auf diesen Weg gebracht haben. Eines dieser Elemente war der technische Aspekt. Ich war schon immer in der Kommunikation und im PR tätig, und 2007 zeichnete sich eine Verlagerung in die digitale Sphäre ab. Alle haben auf einmal Blogs gelesen, also wollte ich als PR-Profi mit der Zeit gehen und selbst Erfahrungen mit den neuen Medien machen. Ich habe mit meinem eigenen Blog experimentiert, ohne eigentlich zu wissen, welchen Content ich bringen wollte. An einem Punkt während meiner vielen Business-Lunches und Geschäftsreisen merkte ich, dass ich ein Interesse an Gastronomie entwickelt hatte. Mit meinem PR-Hintergrund interessierte es mich letztendlich, wieso manche Restaurantkonzepte so gut funktionieren und andere scheitern. Dieser Aspekt begleitet uns bis heute. Wenn wir über ein Restaurant schreiben, gehen wir nicht so detailliert auf das Essen ein, sondern konzentrieren uns vielmehr auf das Gesamterlebnis. Geschmack ist schliesslich subjektiv, und wir möchten unseren Lesern Inspirationen geben.


Die Leser Ihres Blogs wissen genau über Ihre kulinarischen Präferenzen Bescheid, aber beinahe nichts über Sie beide persönlich. Wer sind Carrie und Harry?
Carrie: Ja? Finden Sie? (lacht) Ich finde immer, dass wir uns selbst zu viel porträtieren. Schliesslich geht es in unserem Blog um Essen und Restaurants, nicht um uns selbst.

Harry: Wir stellen uns auf unserem Blog eigentlich gar nicht gern in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wir verstecken uns viel lieber hinter den Kulissen. Über die letzten Jahre haben wir jedoch die Erfahrung gemacht, dass unsere Leser mehr über uns wissen wollten. Sie wollten sich lieber mit echten Menschen identifizieren als mit einem unpersönlichen Blog.
Um auf Ihre Frage zurückzukommen, wer wir sind – wir sind ein ganz normales Paar mit ganz normalen Jobs. Wir sind gern zu Hause und laden Freunde zu einem selbst gekochten Abendessen ein. Aber ich kann durchaus sagen, dass wir beide leidenschaftlich und getrieben sind, unsere Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen. Wir hatten das Glück, auf eine Community zu stossen, die unsere Arbeit zu schätzen weiss.


Carrie, Sie haben in Singapur gelebt, bevor Sie hierherkamen. Was hat Sie nach Zürich gebracht?
Carrie: Die Liebe zu Harry. Ich bin in Singapur geboren und in Australien aufgewachsen. Dann bin ich zum Studieren nach Los Angeles, später wieder nach Australien und schliesslich zurück nach Singapur gegangen. Das war die Zeit, als ich dachte, ich würde mich langsam niederlassen. Dann habe ich in den Ferien in der Schweiz Harry getroffen, der damals in Deutschland arbeitete. In der Folge reisten wir beide zwei Jahre lang in entgegengesetzten Richtungen um die Welt. Nach zwei Jahren Fernbeziehung haben wir beide beschlossen, unsere Zelte hier in Zürich aufzuschlagen, wo Harry herkommt. Als ich vor fünf Jahren hier in Zürich ankam, waren sonntags keine Restaurants für den Brunch geöffnet, und die Gastroszene war in der Zeit nicht gerade aufregend. Es ist ziemlich unglaublich, wenn man sieht, wie sich die Restaurantszene in den letzten paar Jahren verändert hat.


Es heisst ja oft, Singapur sei die Schweiz Asiens – können Sie dem zustimmen?
Carrie: Ja, absolut!


Wie sind Sie auf den Namen «Harrys Ding» gekommen?
Harry: Ich nannte den Blog 2007 «Harrys Ding», weil ich über Themen schrieb, die mir gefielen, von Uhren über Autos bis hin zu gutem Essen. Alles, was auf meiner Website zu lesen war, war wirklich «mein Ding». Jetzt, da Carrie mit an Bord ist, ist es natürlich «unser Ding». Wir haben Glück, denn der Name hat sich als recht einprägsam und einmalig herausgestellt.


Hätten Sie sich je vorstellen können, dass dieser Blog ein so riesiger Erfolg wird?
Harry: Nein! Das war am Anfang auch gar nicht die Absicht. Es ist einfach passiert. Interessanterweise war es zu Beginn sehr unangestrengt. Wir hatten keine Verantwortung. Da der Blog jetzt so grossen Erfolg hat, ist der Druck recht hoch – obwohl wir nicht finanziell davon abhängig sind. Ich finde es ganz erstaunlich, dass es einem trotzdem so zu schaffen macht. Die Erwartungen seitens unserer Leser sind natürlich sehr hoch. Nicht zu vergessen unser eigener Anspruch, Content in hoher Qualität zu liefern.

Carrie: Den meisten Leuten ist nicht klar, wie viel Mühe wir uns mit «Harrys Ding» geben. Wir machen ihnen daraus keinen Vorwurf, wir möchten einfach, dass sie Spass an unserem Produkt haben.

 

Wie erfahren Sie von bevorstehenden Restauranteröffnungen?
Carrie: Manchmal kontaktieren die Restaurants uns, manchmal empfehlen uns Freunde ein neues Lokal.

Harry: Wir entdecken auch über Instagram jede Menge neuer Restaurants.


Sie haben einmal auf Ihrem Blog erwähnt, dass Sie sich nicht für Influencer halten, aber trotzdem gilt Ihr Blog als der wichtigste, wenn es um Restauranterwähnungen geht. Wieso bezeichnen Sie sich da nicht als Influencer?
Carrie: Die Sache ist die, wir sehen uns wirklich nicht als Influencer in dem Sinn, dass wir eine Marketingbotschaft vermitteln. Das überlassen wir anderen.

Harry: Was ist ein Influencer überhaupt? Das könnte man hin und her diskutieren, und an jedem Tag beeinflusst irgendwie jeder jeden, aber wir sehen uns nicht so. Wir möchten die Menschen vielmehr an jedem Tag mit unseren Bildern und Texten inspirieren. Wir sehen uns eher als «Inspirierer».

 

«Wir möchten die Menschen an jedem Tag inspirieren. Wir sehen uns eher als ‹Inspirierer›.»

Einer der Pluspunkte für Meinungsmacher besteht darin, dass sie mit ihrem Content Geld verdienen können. Gilt das auch für Sie?
Harry: Wir glauben eigentlich, sobald man Geld für seinen Content verdient, geht ein wenig verloren, dass man sich selbst treu bleibt, und das möchten wir nicht.

Carrie: Ich schreibe gerne Storys, aber sie müssen zur DNA unserer Website passen.

Harry: Es kommt vor, dass Unternehmen uns kontaktieren, um ihre Produkte auf unserem Feed zu platzieren, doch das lehnen wir kategorisch ab.


Wie sehen Sie die Zukunft von «Harrys Ding»? Möchten Sie daraus einmal ein eigenes Business machen?
Harry: Nun, man weiss ja nie, aber meiner Ansicht nach eignet sich der Blog nicht dafür, als Unternehmen geführt zu werden. Die Website lebt von unserer Persönlichkeit und unserer Stimme. Wir haben versucht, mit Autoren zusammenzuarbeiten, doch das hat nicht funktioniert, weil sie einfach nicht wir waren – weder in den Bildern noch im Text. Die Leser haben ein feines Gespür für alles, was nicht wir sind.

Carrie: Inhalt zu generieren, ist sehr zeitaufwendig, aber für uns ist es wichtig, dass die Website unsere Handschrift trägt und authentisch bleibt.
 

 

 

 

Harry und Carries Top-Resaturants in Zürich

Kronenhalle

Die Kronenhalle ist eine Zürcher Institution. Hier isst man traditionelle Schweizer Gerichte wie Zürcher Geschnetzeltes oder Kalbsbratwurst. Und als wäre es völlig selbstverständlich, hängen an den Wänden Originalgemälde von Miró, Picasso oder Chagall.

Rämistrasse 4

The Restaurant

Das 2-Sterne Lokal am Zürichberg ist ein Muss für anspruchsvolle Kulinariker. Gerade erst wurde Heiko Nieder, Küchenchef im Restaurant des majestätischen 5-Sterne-Hotels The Dolder Grand, zum Koch des Jahres erkoren. Neben seinen meisterhaften und kreativen Kreationen gibt es aber noch mindestens einen weiteren Grund, der für einen Besuch hier oben spricht: die herrliche Sicht vom Zürichberg auf die Stadt hinunter.

Kurhausstrasse 65

Juicery 21

Gäbe es einen Himmel für kaltgepresste Frucht- und Gemüsesäfte, dann wäre es die Juicery 21. In der angesagten Saftbar werden alle Säfte frisch gepresst. Wer zur rechten Zeit im Laden ist, der kann den Entsaftern bei ihrer Arbeit sogar zuschauen – durch einen Glasboden mit Blick auf die Saftpresse im Keller. Neben Säften bekommt man hier zudem gesunde Açai-Bowls, wunderbare Bagels und exzellenten Kaffee.

Sihlstrasse 93

La Stanza

La Stanza ist die klassische italienische Cafébar in Zürich. Das Publikum ist illuster und mondän. Hier trinken Banker Espresso, essen Kunsthändler Brioche und lesen Italien-Nostalgiker den «Corriere della Sera». Ein veritables Stück Italien – gleich beim Paradeplatz

Bleicherweg 10

Pool Bar

Sie könnte direkt aus der Kultserie «Miami Vice» stammen: die Outdoor-Bar des Hotels Helvetia. Das Design ist einer amerikanischen Pool Bar aus den 80er-Jahren nachempfunden und spielt mit einer Farbkombination, wie man sie auch aus Wesley Andersons Filmen kennt. Im Winter ist die Pool Bar leider geschlossen – aber der nächste Frühling kommt bestimmt.

Stauffacherquai 3

 

 

Harry und Carries Top-Restaurants in Genf

Fiskebar im Ritz Carlton Hotel de la Paix

Die Fiskebar hat uns begeistert! Der junge Küchenchef Benjamin Breton zaubert eine moderne, unprätentiöse Haute Cuisine auf den Teller. Besonders gut gefällt uns auch das frische Design des Restaurants. Es strahlt nordische Nüchternheit aus, hat aber dennoch eine angenehm gemütliche Seite. Die frischen Meeresprodukte kann man übrigens an der Fischtheke bestaunen – der Fiskebar.

Quai du Mont-Blanc 11

 

Bao Canteen

Ein ganz schön hippes Konzept – und eines, das in Zürich noch fehlt! In der Bao Canteen serviert man herrliche Baos, ein traditionelles Strassengericht aus Taiwan. Die gedämpften Reis-Buns werden mit allerlei schmackhaften Zutaten wie geschmortem Schweinebauch oder Tofu gefüllt und dann einem Sandwich ähnlich gegessen.

Rue du Conseil-Général 11

El Catrín

Das El Catrin lässt uns nicht mehr los. Die mexikanische Taqueria ist lebhaft, farbigt und authentisch. Hier bekommt man die besten Tacos, die wir in der Schweiz je hatten – und die grösste Auswahl, inklusive Al Pastor und Pibli!

Rue de Richemont 7

 

Birdie

Klein, aber fein ist das Birdie Café. Es ist der perfekte Boxenstopp im Plainpalais-Quartier. Uns haben die Spezialitätencafés genauso überzeugt wie die Sandwiches und die feinen Gebäcke, die hier angeboten werden. Einzig das Fehlen von laktosefreien Varianten finden wir nicht zeitgemäss.

Rue des Bains 40

harrysding.ch




Image Credits:
ZVG

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