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Im Sturm erobert

Mit dem «Vampire Facial» hat Dr. Barbara Sturm Hollywood bereits erobert. Der Beauty-Guru selbst ist aber auf dem Boden geblieben und versucht das Dasein als Mutter, Ehefrau, Ärztin und Businessfrau unter einen Hut zu bringen.
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Smart und geerdet: Dr. Barbara Sturm gehört zu den beliebtesten Beauty-Gurus von Hollywood.

Ortstermin Zürich. Wir treffen Frau Dr. Barbara Sturm in der wunderschönen Parfümerie Spitzenhaus und sind gespannt auf die Frau, die für viele Hollywood-Stars und -Sternchen eine Geheimwaffe für ewige Jugend und Schönheit ist. Die Liste ist lang: von Hailey Baldwin, Rosie Huntington-Whiteley und Jaime King über Brooke Shields, Emma Roberts und Olivia Culpo bis zu Kim Kardashian und Gwyneth Paltrow. Zudem war die smarte Blondine sieben Jahre mit Schauspieler und Regisseur George Hamilton verheiratet und hat den Hollywood-Lifestyle hautnah miterlebt. Seit 2014 ist sie mit dem New Yorker Anwalt Adam Waldmann verheiratet und pendelt zwischen Europa und den USA hin und her. Bei dieser Vorgeschichte weiss man gar nicht, was man erwarten soll. Und dann steht sie einem gegenüber, schüttelt ohne Berührungsängste die Hand, legt los und man ist sofort von ihr eingenommen. Sie ist unprätentiös, komplett ungeschminkt und sprüht vor Witz und Schlauheit. Bereits als Vierjährige wusste die Tochter eines Architekten und einer Laborärztin, dass sie später einmal Ärztin werden wollte. Sie studierte neben Medizin auch Sport und promovierte in Orthopädie. Dass Ihre Karriere so verlaufen würde, war natürlich nicht geplant. Aber pragmatisch, wie sie ist, nimmt sie das Leben Schritt für Schritt.


L’OFFICIEL Schweiz: Herzlich willkommen in Zürich! Wie gefällt es Ihnen hier?
Dr. Barbara Sturm: Oh, sehr gut. Sie wissen gar nicht, wie gut Sie es hier haben. Ich würde am liebsten hier leben. Wissen Sie, ich wäre fast einmal hierhergezogen, aber dann hat es mich nach L.A. verschlagen. Aber wer weiss, vielleicht ziehe ich ja doch eines Tages von Düsseldorf hierher.


Vor gut zehn Jahren haben Sie das «Vampire Facial» erfunden. Wie sind Sie darauf gekommen?
Als Orthopädin habe ich mit dieser Methode bei Gelenken experimentiert und es zusammen mit Professoren aus Harvard auf die Haut übertragen. Als ich selbst dann Probleme mit meiner Haut bekam, testete ich das Verfahren im Selbstversuch und war vom Resultat begeistert. Das «Vampire Facial» ist eine Eigenblut-Therapie. Dabei wird dem Patienten zuerst Blut aus der Vene entnommen, das anschliessend zu einem Plasmakonzentrat aufbereitet und am selben Tag unter die Haut injiziert wird. Dabei macht man sich die Selbstheilungskräfte des Körpers zunutze. Eigenblut-Präparate wirken auf die Haut aufbauend und antientzündlich. Die aufbereiteten Proteine verstärken zudem die Kollagensynthese. Bei meinem Verfahren arbeite ich mit entzündungshemmenden Leukozyten. Andere Methoden verwenden Thrombozyten. Bei beiden Verfahren kann man Filler wie Hyaluronsäure dazugeben, um den Effekt zu verstärken.


Wie wird man zum Liebling von Hollywood?
Der Wendepunkt kam, als die «Welt am Sonntag» 2004 darüber berichtete, dass ich die Arthrose von Nick Noltes Knie behandelt hatte. Danach blieb das Telefon nicht mehr still.


Was hat Sie dazu bewogen, eine eigene Kosmetiklinie zu entwickeln?
Meine Grossmutter war Apothekerin und mischte sich ihre Cremes immer selbst. Als ich meine Hautprobleme hatte, kreierte ich für mich eine Creme und reicherte sie mit Eigenblutproteinen an. Danach begann ich auch Cremes für meine Patienten anzufertigen. Dann forschte ich über zwei Jahre mit Kollegen aus Harvard an einer Creme für ein breiteres Publikum. Unsere Haut ist unser grösstes Organ. Darum sind die Inhaltsstoffe bei einer Hautpflege sehr wichtig und sollen auf keinen Fall giftig sein. Ich bin eine Qualitätsfanatikerin, darum verwenden wir nur die besten Inhaltsstoffe und produzieren alles in Deutschland. Meine Pflegelinie basiert auf drei elementaren Grundpfeilern. Die Produkete sollen Entzündugen entgegenwirken, die Telomerase, ein Enzym des Zellkerns, ankurbeln und die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und nähren. Zu der Zeit, als ich auf der Suche nach passenden Ingredienzien war, wurde gerade am TA-65, einem Pilz aus China, geforscht, der die Telomerase stark aktiviert. Dann bekam ich von einem befreundeten Wissenschaftler aus Miami den Tipp, dass Purslane dieselbe Wirkung hat. Es ist eine Art Sukkulente, die fast überall wächst, superstabil ist und Antioxidantien enthält. Die Wirkung ist stark antientzündlich und aktiviert eben auch stark die Telomerase. Da ich selbst nie viel Kosmetika benutzt hatte, dachte ich, eine Creme sei genug, aber meine Kunden wünschten sich ein Serum, dann etwas zur Reinigung und so weiter. Seit 2011 vertreibe ich nun meine «Molecular Cosmetics» und mittlerweile bin ich richtig besessen davon, neue Produkte für unterschiedliche Hautbedürfnisse zu entwickeln.


Was ist der grösste Fehler, den man bei der Pflege machen kann?
Hautalterung hat auch ganz viel mit Entzündungen zu tun. Darum sollte man auf aggressive Stoffe verzichten. Zwar nützen sie kurzfristig, aber machen im Endeffekt das Problem dauerhaft.


Wie sieht Ihre persönliche Beauty-Routine aus?
Ich werde früh von meiner Tochter Pepper geweckt. Ich trage mir meine Maske auf, putze mir die Zähne und wasche sie unter der Dusche wieder ab. Dann benutze ich mein Hyaluronsäure-Serum, die Creme und im Sommer Sonnencreme – und falls ich genügend Zeit habe, klopfe ich mir die Augencreme ein. Ein paar Spritzer Parfüm, und fertig.


Gibt es einen Bestseller in Ihrer Linie?
Ganz vorne mit dabei ist das Hyaluronsäure-Serum. Es hält den Feuchtigkeitsgehalt bei jeder Hauthält stabil und ist gleichzeitig auch eine tolle Make-up-Unterlage.


Wo sind die Grenzen der Kosmetik?
Grundsätzlich wichtig ist, dass man seine Haut so pflegt, dass sie gesund ist, gut genährt, geschützt und ausreichend befeuchtet ist. Das kann man mit Kosmetik erreichen. Auch Massagen sind hilfreich und fördern die hauteigene Kollagenbildung. Sobald es aber um das Thema Falten und Straffheitsverlust geht, ist die Schwerkraft stärker – und da nützen leider nur noch mini-invasive Behandlungen wie Unterspritzen.


Wie bringen Sie Karriere und Privatleben unter einen Hut?
Es ist schwierig, und manchmal bin ich auch etwas überfordert. Aber wir sind halt eine moderne Patchwork-Familie, die auf der ganzen Welt verstreut ist: Mein Mann, ich, meine zwei Töcher Charly und Pepper und die drei Kinder meines Mannes. Um alles unter einen Hut zu bringen, muss ich sehr viel reisen.

 

Für eine gesunde Haut: Alle Produkte von Dr. Barbara Sturm enthalten den Wirkstoff Purslane, der entzündungshemmend, antioxidativ und Telomerase-aktivierend wirkt. Die Produkte sind bei Spitzenhaus, Jelmoli und Globus erhältlich.

molecular-cosmetics.de



Image Credits:
ZVG

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