Reisen

Einmal bitte Winter Wunderland!

Im Grandhotel Suvretta House, dem offiziellen Zuhause der gepflegten Gastfreundschaft weht der Geist der Weihnacht - ein Besuch.
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Es könnte schöner nicht sein. Dem Himmel so nah, strahlt die Engadiner Sonne in einem knisternd-eisigen Bilderbuch Blau, die Luft ist kalt und klar, von den kerzengeraden Tannen wehen zarte Schneekristalle, die für ein unwiderstehliches, holographisches Glitzern in der Luft sorgen. Man meint in der Kulisse eines sehr kitschigen Films zu stehen. Oder wie es der Philosoph Friedrich Nietzsche einst im Engadin formulierte: «Dieses besondere Licht, durchsichtig, glühend in den Farben, alle Gegensätze, alle Mitten zwischen Eis und Süden in sich schliessend, zweitausend Meter über allen menschlichen Dingen.» St. Moritz bewirbt sich nicht umsonst mit „Top of the world“ - angenommen, auf der Spitze der Welt, dem Chasellas-Hochplateau würde von einer malerischen Bergkulisse umgeben, ein Märchenschloss stehen, seit 1912 reisen anspruchsvolle Gäste aus der ganzen Welt hierher. Dank regelmässiger und klugen Investitionen ist es den Besitzern gelungen, das luxuriöse Hotel gebaut im Stil des späten Historismus elegant in die Neuzeit zu führen, ohne dabei den Glanz der alten Zeiten zu verlieren - so sind Oldtimer und Tesla kein Widerspruch.

Anfang Dezember da erwacht das Suvretta House aus seinem Dornröschen Schlaf zum blühenden Leben. Man kann die Freude des Hauses spüren - eine neue, blitzblanke Saison steht vor der Tür. Es würde nicht weiter wundern, wenn Audrey Hepburn in einem kleinen Nerz aus einer Pferdekutsche steigen würde. Es ist allerdings Giovanna Battaglia Engelbert, eine Art digitale Audrey der Neuzeit und Super Stylistin, deren Instagram Feed dank ihrer fanatischen Outfits und ihrer guten Laune eine einzige, helle Freude ist. Sie trägt einen zeltartigen Leopardenmantel über ihrem Bauch, in dem ein Christkindchen drauf wartet zu schlüpfen.

Die Weihnachtssterne strahlen, die Vitrinen sind mit Herrlichkeiten und Schätzen aus den Boutiquen im Dorf gefüllt, das feine Silber ist geputzt und ein riesiges Lebkuchenhäuschen, wartet auf die ersten Kinderzähne, die der Versuchung nicht widerstehen können. Die Ausstellung «Im Reich der Farbe» zeigt eine Chagall Lithographie, zwei Liebende im Vollmond. Was sonst.

Vor den hohen Fenstern der wunderschönen Hotelhalle entstehen die berühmten Eisskulpturen, die Speisekarte hat sich fein gemacht und nicht nur um eine unglaubliche feine Thunfisch Bowl erweitert. Das legendäre, private Eisfeld mit der wohl schönsten Aussicht der Welt, wächst mit zunehmenden Minusgraden unter der liebevollen Aufsicht des Eismeisters, der täglich für optimale Eisbedingungen sorgt - selbstverständlich per Hand.

Der Wintersport hat am Suvretta-Hügel lange Tradition. 1935 wurde hier der erste Skilift der Schweiz in Betrieb genommen und das Suvretta House verfügt als einziges Luxushotel in der Schweiz über eine eigene Ski- und Snowboard-Schule mit bis zu 160 Skilehrern. Eine davon, ist Sabrina Nussbaumer, unterrichtet nicht nur Ski, auch Yoga. Und hat „Yoga on Snow“ etabliert hat. Eine bezaubernde Mischung. Noch bezaubernder ist nur die Tatsache, dass das Hotel eine eigene Bäckerei unterhält, die neben sensationellem Glutenfreiem Brot, die herrlichsten Backwaren zaubert und damit praktischerweise auch die Villenbesitzer des Suvrettahang, dem „Beverly Hills der Alpen“ gleich mit beliefert - somit wohl der luxuriöseste Backshop Aller Zeiten.

Das Grand Restaurant des Traditionshauses zelebriert gerade seinen 16. Gault Millau Punkt und ist einer der wenigen Orte, dieser Welt an dem ein festlicher Dresscode mehr als nur Sinn macht, auch wenn die Zeiten in denen die Damen sich im Tresorraum hinter der Rezeption grosszügig aus breiten Schubladen beschmückten leider vorbei sind, da jedes Zimmer seinen eigenen Safe hat - lässt sich sicher das ein oder andere Juwel entdecken. An Silvester gibt es einen Swinging Sixties Ball mit Tanzmusik und Jugenddisco. Auf dem Plakat, wie könnte es anders sein, das berühmte Bild von Audrey als Holly Golightly in „Breakfast at Tiffany’s".

Oft wohnen drei oder vier Generationen gleichzeitig im Haus, das 330 Betten hat, über die Festtage sogar 350 Betten - auf 1700 Quadratmeter Wellness, 10 Suiten aus Edelholz, Bädern aus Marmor, das Ganze in einer absolut entspannten und unaufgeregten Atmosphäre. 280 Mitarbeiter sorgen für Luxus auf höchstem Niveau und für die gute Seele des Hauses. Dank ihrer fleissigen Hände, viele von ihnen in weisen Handschuhen, lieben Worte und eine Herzlichkeit, die man in keiner Hotelschule der Welt lernen kann. Die Mitarbeiter übrigens, werden in zwei Schichten Weihnachten feiern, in dem Saal, in dem der legendäre, russische Tänzer Waslaw Nijinsky vor genau hundert Jahren seinen letzten Tanz tanzte und heute schon mal ein Rolls Royce parkt. Den deckenhohen Christbaum schmückt das Management. Und die Kinder der Gäste feiern eine Waldweihnacht, selbstverständlich mit Nikolaus, Schmutzli und Eselchen.

In Giovanna Battaglia Engelbert Instagram war übrigens nichts vom Suvretta House zu sehen oder zu lesen - vermutlich will sie ihr privates Paradies nicht teilen. Zu recht. Diskretion. Wer über Weihnachten noch ein Zimmer buchen möchte, wird vermutlich Pech haben. Die heiligsten Wochen des Jahres sind schon lange ausgebucht. Ein zauberhafter Afternoon Tea mit herrlichster Aussicht auf das ein dunkelnde Tal und die aufgehenden Venus mit Piano Begleitung sollte aber noch zu haben sein. An dem Ort, an dem die Welt schlicht noch in Ordnung ist.

www.suvrettahouse.ch

 

 

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