L'Officiel Art

Der Kosmos Le Corbusiers

Nach einer umfassenden Sanierung wurde der Pavillon Le Corbusier wiedereröffnet. Die Eröffnungsausstellung “Mon univers“ lässt in die Sammelleidenschaft des Erbauers des architektonischen Meisterwerks blicken.
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Fassade mit Email-Paneelen, Pavillon Le Corbusier, 2018, Zürich, © Georg Aerni

Der Pavillon Le Corbusier an der unteren Höschgasse in Zürich erstrahlt nach einer intensiven Renovierungsphase in frischem Glanz. Seit dem 11. Mai 2019 ist das Baudenkmal wieder für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Das letzte Gebäude Le Corbusiers wurde explizit als Ausstellungsort konzipiert und seit seiner Eröffnung in 1967 als Museum geführt. Daran wird auch nach der Widereröffnung festgehalten, wobei neuerdings das Museum für Gestaltung Zürich im Auftrag der Stadt Zürich die Leitung innehat.
 

Was darf erwartet werden?
Das Programm des Museums für Gestaltung Zürich zeigt sich vielversprechend: Auf der einen Seite werden die verschiedenen Facetten von Le Corbusiers Werk mit einer jährlich wechselnden Ausstellung aufgezeigt. Schliesslich ist sein vielseitiges Oeuvre nicht nur geprägt von seinem Schaffen als Architekt, Architekturtheoretiker und Stadtplaner, vielmehr betätigte er sich auch als Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. Auf der anderen Seite zeigt eine kleine Dauerausstellung die schweizerisch-französische Ausnahmepersönlichkeit selbst. Dies anhand von siebzehn Arbeiten René Burris, der in gewisser Weise der persönliche Fotograf von Le Corbusier war. Ergänzt werden die Ausstellungen etwa durch Führungen, Podiumsdiskussionen und Workshops. Darüber hinaus wurde speziell für den Pavillon eine Performance- und Konzertserie entwickelt.
 

„Mon univers“
Die Ausstellung „Mon univers“, mit welcher das neue Kapitel des Pavillons begonnen wird, beschäftigt sich mit der Sammelleidenschaft Le Corbusiers. Sein Leben lang verfolgte er seine Vision einer „Synthese der Künste“, welche er unter anderem mit seinen Assemblagen realisierte. In diesen vereinte er Elemente aus seiner Sammlung, die sich aus Objekten und Fundstücken aus der Industrie und als Gegensatz dazu aus der Natur, wie auch solchen aus der Kunst und – ebenfalls als Kontrast – aus der Folklore zusammensetzt. Die Assemblagen ihrerseits boten ihm wiederum Anregung für seine weiteren künstlerischen Ausdrucksweisen.

Entsprechende Originale aus Le Corbusiers Privatsammlung lassen sich während der Dauer der Ausstellung im Untergeschoss des Pavillons entdecken. Umrahmt werden sie von Bildmaterial, welches unter anderem den Einfluss der Objekte aus der Sammlung auf seine Bauwerke augenfällig macht. Im Erdgeschoss findet sich eine Nachstellung einer der zentralen Installationen Le Corbusiers; „Les arts dits primitifs dans la maison d’ajourdui“. Ein Geschoss höher werden erneut Originale gezeigt, die jedoch nicht aus Corbusiers persönlicher Kollektion stammen. Vielmehr sind es solche, von denen die Kuratoren annehmen, dass er sie mit Sicherheit in seine Sammlung aufgenommen hätte.

Bild: D’mba (Nimba), Schultermaske, Fruchtbarkeitsgöttin der Baga (Niederguinea), vor 1950, © ZHdk

Mehr als ein Museum
Neben der vielseitigen Agenda steht natürlich der Pavillon, der weltweit als architektonisches Glanzstück geschätzt wird, im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Erleben des Gebäudes mit all seinen Details geschieht dabei beinahe wie von selbst aufgrund der „Promenade Architecturale“, die sich über alle Etagen hinweg erstreckt. Dieser von Le Corbusier geprägte Begriff beschreibt eine auf die Betrachtenden ausgelegte Wegführung, welche die Architektur optimal erfahrbar macht.
Dem Museum für Gestaltung Zürich ist es jedoch auch wichtig, dass der Pavillon nicht nur ein architektonisches und museales Erlebnis mit einem Rahmenprogramm ist. Mehr als das soll er auch ein durch und durch offener Ort sein, an dem sich die Besucherinnen und Besucher wohlfühlen. So laden etwa die neu begehbare Dachterrasse oder die im ganzen Gebäude verteilten, von Le Corbusier designten Möbel ein, mehr als nur eine Stunde zu verweilen. So honoriert auch das neue Konzept der ursprünglichen, auf der Synthèse des Arts basierenden Intention des Architekten für den Pavillon; die Schöpfung eines vollkommenen Ausstellungsraumes, in dem sich Kunst, Architektur und Leben zu einem neuen Ganzen vereinen sollen.

Das letzte Gebäude Le Corbusiers, sein einziges aus Glas und Stahl, wurde aufgrund des Engagements von Heidi Weber realisiert. Die Innenarchitektin, Galeristin und Mäzenin vermochte einst Le Corbusier für das Projekt zu begeistern und erhielt von der Stadt Zürich das Land im Zürcher Seefeld im Baurecht für fünfzig Jahre. Trotz so einiger Widrigkeiten konnte der Pavillon erbaut und in 1967 eingeweiht werden. 2014 lief das Baurecht ab, wodurch das Bauwerk in den Besitz der Stadt überging – der Museumsbetrieb wurde unter der Leitung von Eva Wagner fortgeführt. Ab Oktober 2017 bis Februar 2019 wurde der Bau von den Architekten Silvio Schmed und Arthur Rüegg für rund fünf Millionen Franken eingehend renoviert.


Pavillon Le Corbusier, Höschgasse 8, Zürich
 

Öffnungszeiten Saison 2019:
11. Mai-17. November
Dienstag-Sonntag 12-18 Uhr, Donnerstag 12-20 Uhr

pavillon-le-corbusier.ch

Le Corbusier, mit serbischer Vase auf dem Kopf, zusammen mit Albert Jeanneret und Amédée Ozenfant in der Maison Blanche, La Chaux-de-Fonds, August 1919, © Fondation Le Corbusier, Paris

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