Manolo Blahnik, die Welt zu Füssen
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Manolo Blahnik, die Welt zu Füssen

"Als ich seine Schuhe entdeckte, war es, als wäre ich in der Wüste auf eine Wasserquelle gestossen", sagte die Schauspielerin Sarah Jessica Parker einmal. Manolo Blahnik ist der Prinz der Schuhdesigner. Er wird derart verehrt, dass sein Vorname zum Synonym für kostbares Schuhwerk geworden ist. Zum ersten Mal nun eröffnet er eine Boutique in der Schweiz, in Genf, wo er als junger Mann selbst gelebt hat. Höchst spannende Erinnerungen – und ein temporeiches Interview.
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Er sagt die ganze Zeit "leider". Aber noch öfter bricht er in lautes Gelächter aus. An diesem Nachmittag spricht er am Telefon über gestern, heute und morgen. Seine Konversation ist wendig und schnell, er wirkt wie der junge Mann, der er geblieben ist. Seine Antworten sind abwechselnd voller Ironie oder ehrlicher Bekenntnisse, sein perfektes Französisch springt manchmal zum Englischen oder Spanischen. Wenn er erzählt, dann geht es hin und her zwischen Rihanna, mit der er kürzlich eine Kollektion aufsehenerregender Sandalen entworfen hat, und Romy Schneider, der unsterblichen Muse. Er ist kategorisch und charmant, modern und nostalgisch, präzise und begeisterungsfähig, selbstsicher und entwaffnend. An diesem Nachmittag telefoniere ich mit einem Prinzen.

Er ist das für Schuhe, was sein Landsmann Cristóbal Balenciaga für die Mode war.

 

 

Ein Prinz, der an diesem Tag in den Sommerferien auf den Kanaren im Haus seiner Mutter weilt. Es sieht nach Sturm aus, und er hat seine Hunde dabei ("Alles Promenadenmischungen, die ich bekomme, weil ich sie bekanntermassen behalte, ausser mein schwarzer Labrador Romolo, benannt nach dem Schauspieler Romolo Valli aus 'Der Leopard'"). Ein Prinz, was sage ich, DER Prinz unter den stilvollen, glamourösen Schuhdesignern, dem Hollywood und die elegantesten Frauen der Welt zu Füssen liegen. Dabei war das nicht einmal Absicht. Manolo Blahnik, das ist auch ein Familienunternehmen mit 311 Verkaufsstellen, etwa fünfzehn eigenständigen Boutiquen und grandiosen Verkaufszahlen – allein die grosse amerikanische Kaufhauskette Neiman Marcus verkauft nach eigenen Angaben über 30 000 Paar "Manolos" im Jahr, nur so zum Nachrechnen.
 

Doch Manolo Blahnik ist auch eine Marke mit eigener Signatur. Natürlich sind die Schuhe zum Niederknien schön. Natürlich sind die Farben jede Sünde wert. Doch eigentlich ist es das Wissen um Gleichgewicht und Komfort, mit denen sie den Fuss nicht nur wie ein Fetisch schmücken, sondern dem Gang Schwung verleihen, den Körper zum Signal machen und den Look zum Auftritt. Er ist das für Schuhe, was sein Landsmann Cristóbal Balenciaga für die Mode war. Ausserdem steht das Haus Manolo Blahnik auch für Accessoires und Herrenschuhe, Ausstellungen und Bücher. Blahnik, das wegweisende Multitalent.

Dieser lebhafte, energiegeladene Prinz eröffnet nun seine erste Schweizer Filiale in Genf, wo er einen prägenden Teil seiner jungen Jahre verbracht hat. Mit uns spricht er über die Calvin-Stadt und über den kreativen Prozess. Und über die Bücher, die ihm Freude machen, wie etwa "Der Leopard". 

L’OFFICIEL Schweiz: Herr Blahnik, Sie haben in Genf studiert. Wovon träumten Sie in jener Zeit?
Manolo Blahnik: Oh, ich war jung, sehr, sehr jung, ich war sogar ein Spätentwickler (er bricht in Lachen aus). Ich kam von den Kanaren, ich hatte auf einer Insel gewohnt, ein wenig weitab von allem. Von Mode wusste ich nichts, abgesehen von dem, was ich in den Zeitschriften meiner Mutter sah, die wir mit Monaten Verspätung bekamen. Die Genfer Eleganz hat mir sofort gefallen. Ich bin gekommen, um Jus zu studieren, mein Vater meinte, für jemand Versponnenen wie mich wäre die Diplomatie eine gute Laufbahn. Doch als ich in Montreux ein Praktikum machte, habe ziemlich schnell begriffen, dass mich das zu Tode langweilen würde, zu Tode! In Genf mochte ich Römisches Recht, eher also das Konzept von Recht als die Praxis, schrecklich. Es gab eine fabelhafte Kurzwarenhandlung, Catherine B (Den Laden gibt es nach wie vor in der Rue de la Cité 17). Doch ich habe meine Zeit vor allem in Buchgeschäften verbracht, es gab wunderbare Buchhandlungen, wo ich die ganze Zeit zwischen den Regalen zubringen durfte. Ich lebe mein Leben noch immer zwischen zwei Buchseiten, damit habe ich nie aufgehört. Die Bücher sind mein Leben.
 

"Ich kann behaupten, dass die Bequemlichkeit meiner Schuhe heute der Schlüssel meines Erfolgs ist." Manolo Blahnik

Haben Sie nicht auch von Mode geträumt?
Nein. Ich träumte von einer Karriere als Bühnenbildner am Theater. Ich erinnere mich übrigens, wie ein paar Freunde und ich nach Paris ins Theater fuhren, um Romy Schneider und Alain Delon zu sehen. Wir haben die Fahrt ab Genf in einer Nacht geschafft, in einem 2CV... Die Mode ist erst später gekommen.

Moment mal, dabei entwerfen Sie Schuhe aus dem Handgelenk! Das sind Meisterwerke. Und Sie möchten mir weismachen, dass Sie dazu keine Berufung verspürt haben?
Ja. Ich bin durch Zufall zu dem geworden, der ich bin. Eines Tages hat sich mein Leben geändert. Von Genf bin ich dann nach London gegangen. Diese Stadt war sehr faszinierend. Danach in die Vereinigten Staaten, wo Freunde mich mit Diana Vreeland bekannt machten, der Modepäpstin, die ich sehr verehrte. Ich wurde ihr vorgestellt, um ihr meine Kostümentwürfe zu zeigen. Ich war sehr, sehr nervös, hysterisch, ich hatte zwei Nächte lang nicht mehr geschlafen! Sie sagte mir auf der Stelle: "Sie sollten Schuhe entwerfen." Das habe ich auch sofort getan. Und mein Leben hat sich verändert.

 

 

Sie haben Tausende Paare entworfen. Auf welches sind Sie am meisten stolz?
Ich habe 30 000 Schuh-Entwürfe in meinen Archiven, nicht mitgezählt meine Skizzen, die bei einem Themsehochwasser verloren gingen. Meine Lieblingsschuhe sind diejenigen, die als erste auf den Laufsteg kamen – für Ossie Clark in New York. Ich war nicht aus dem Metier, daher waren sie zwar einmalig, aber die Absätze verbogen sich und gaben nach. Die Models schwankten auf dem Laufsteg. Es war schlimm. Ich glaubte, das sei das Ende meiner Wunschträume, dass meine Karriere zu Ende sei, bevor sie noch begonnen habe. Und stellen Sie sich vor, den Leuten haben sie gefallen. Man fand, dass der Gang der Mannequins etwas Besonderes hatte, dass es originell war. Ich habe danach schnell dazugelernt, und ich kann behaupten, dass die Bequemlichkeit meiner Schuhe heute der Schlüssel meines Erfolgs ist.

Wer sind die Cinderellas von heute?
Alle. Es gibt so viele schöne Frauen. Ich arbeite gern mit Menschen zusammen, die mich herausfordern, wie vor Kurzem Rihanna. Da gab es Françoise Dorléac, Bardot, Romy. Zu den Frauen von heute, die eine tolle Ausstrahlung haben, gehört Uma Thurman. Léa Seydoux und Elle Fanning haben sehr viel Stil, etwas ganz Spezielles. 

Das gesamte Interview mit Manolo Blahnik finden Sie in der März Ausgabe der L'OFFICIEL Schweiz.

www.manoloblahnik.com

 

Image Credits:
ZVG Manolo Blahnik

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