Beauty

Im Bann des Waldes

von Manou Steiger
18.10.2017
Sei es der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee, das Erhaschen eines vertrauten Parfüms oder das muffige Aroma eines Kellers – Düfte, ob gute oder schlechte, haben die einzigartige Fähigkeit, Erinnerungen und Gefühle sofort wieder herbeizurufen. So wie die beiden neuen Parfümkreationen von Jo Malone, die einen unweigerlich an einen regnerischen Tag im Wald denken lassen.

An einem für englische Verhältnisse ausserordentlich heissen und sonnigen Tag wurde die Journalistenschar im Townhouse von Jo Malone empfangen. Ein Anwesen mitten im edlen Stadtteil Marylebone und einst das Zuhause einer privilegierten englischen Familie ist heute das Hauptquartier der Marke, die sich selbst als "quintessentially british" bezeichnet. Wie passend, fand ich, als ich aus dem Londoner Cab stieg und das mehrstöckige Haus bewunderte.

Nachdem die massive schwarze Türe mit dem eleganten Türknauf aufgeschwungen war, tat ich zwei Schritte und stand wortwörtlich im Wald. Das Townhouse war nämlich eigens für die Lancierung der Düfte in einen Zauberwald verwandelt worden. Echtes Laub raschelte unter meinen Füssen, während ich Vogelgezwitscher lauschte und erstaunt durch den grosszügigen Empfangsraum schritt. Ein gutaussehender junger Mann offerierte mir einen frisch gepressten grünen Smoothie und verwies mich in den ersten Stock. "Was kann diesen Empfang denn noch toppen?", fragte ich mich leise. 

Meine Frage war schnell beantwortet, als ich das Zimmer betrat, in dem die Journalisten für ein Pressefrühstück empfangen wurden. Schummriges Licht umnebelte die extra für diesen Anlass aufgestellten Bäume, während ein liebevoll gedeckter Tisch sich durch den Raum schlängelte. Das Tüpfelchen auf dem "i" war jedoch der angenehm modrige Duft, der in der Luft lag und alle Anwesenden in die Welt von Jo Malones "English Oak Hazelnut & Redcurrant" – der ersten Doppelkreation des Hauses – entführte.

Sobald wir unsere Münder, die vor lauter Staunen offen standen, wieder schliessen konnten, wurde uns ein – wie sollte es auch anders sein – "proper english breakfast" mit "poached eggs" aufgetischt auf das wir uns hungrig stürzten. Dann war es an der Zeit, unsere Aufmerksamkeit den beiden Menschen zu widmen, die für die Kreation der beiden neuen Jo-Malone-Düfte verantwortlich zeichnen. Duft-Mastermind Céline Roux begleitet das Unternehmen bereits seit 2009 und ist massgeblich für die so typisch englischen Kreationen des Hauses mitverantwortlich. Der charismatische Franzose Yann Vasnier hingegen machte sich einen Namen mit Verkaufshits wie "Lola" von Marc Jacobs und "Divine" für Tom Ford.

Es ist seine zweite Kollaboration mit Jo Malone in der Rolle als Master-Parfumeur. 

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L’OFFICIEL Schweiz: Was ist die erste Erinnerung, die sie mit einem bestimmten Duft verbinden?

Céline Roux: Ich komme aus Südfrankreich, und dort gibt es einen Duft namens "Navette". Er ist süss und erinnert mich an Orangen- blüten. Jedes Mal, wenn ich dieses Aroma rieche, führt es mich in meine Kindheit zurück. Ein anderer Duft, der viele Erinnerungen in mir weckt, ist der Geruch von Pinienbäumen.
Yann Vasnier: Für mich ist es der Duft hausgemachter Gerichte. Meine Mutter war eine brillante Köchin, und da wir in der Bretagne wohnten, bestand unser Essen aus frischen Krabben, Butter und Sahne. Abgesehen davon sind mir vor allem der Geruch unserer Rosen im Garten und der Duft der Wiese und der Kräuter aus der Region, in der wir lebten, im Gedächtnis geblieben.

Haben sie diese spezifischen Düfte jemals in eine Parfüm-Kreation integriert?

YV: Ja, auf jeden Fall!
CR: Nun, Orangenblüten verwenden wir oft. Ich glaube auch, dass die Auswahl der Düfte eher unabsichtlich erfolgt. Wenn man die Duftbasis beim Kreieren eines neuen Parfums riecht, ist man viel sensibler für Aromen, die man schon kennt. Und, natürlich ist unser Job sehr subjektiv: Da gibt es kein richtig oder falsch. Man folgt seinem Instinkt und wählt, was man mag.

Was ist der Duft mit dem meisten Sexappeal, den eine Frau oder ein Mann tragen kann?

YV: Ich würde sagen, dass die natürliche Duftnote einer Person sehr attraktiv wirken kann, etwa frischer Schweiss. Selbstverständlich nicht die Art von Schweiss, die man riecht, wenn jemand zu lange in der Hitze war (lacht), aber der natürliche Eigengeruch kann sehr verführerisch sein.
CR: Ich mag Amber-Noten. Etwas Moschus kann auch sehr verführerisch sein. Diese Düfte finde ich persönlich sehr sinnlich. 

Gibt es Düfte, mit denen sie gern arbeiten würden, die aber aus gewissen Gründen schwierig sind?

YV: Ich würde sagen, dass es für einen Parfumeur sehr schwierig ist, die Farbe Blau als Duft zu erschaffen. Natürlich können Blaubeeren verwendet werden, doch allgemein ist das Konzept der Farbe Blau sehr abstrakt und schwierig in ein Parfum einzuarbeiten.

CR: Für mich ist es der Duft meiner Kinder am Morgen: Das ist natürlich unmöglich, das als Duftnote zu kreieren. Genau das ist ja der Zauber der Duft-Welt. Nicht alles ist machbar. 

Monsieur Vasnier, was unterscheidet Ihre Arbeit mit Jo Malone von der mit anderen Häusern?

YV: Es ist einmalig und sehr speziell. Es gibt keine andere Marke, mit der ich lieber arbeite, und ich habe mit vielen Marken und deren Teams zusammengearbeitet. Céline ist einzigartig und hat eine einmalige Vision. Es gibt kein anderes Team von Duftentwicklern, die einander so nahestehen. Wir tauschen unsere Ideen ständig aus.
CR: Ich kann mich richtig glücklich schätzen, dass ich keinem Trend folgen muss. Wenn ich eine Idee habe, dann setze ich diese um. Genau das macht einen Duft viel authentischer.

Madame Roux, Sie haben bereits in früheren Interviews erwähnt, dass Sie keine Nase sind, Sie jedoch Ihre Parfümeure in eine bestimmte Richtung lenken, um das gewünschte Endprodukt zu erzielen. Wie hat Ihr früherer Job in der Beauty-Industrie Ihnen bei ihrer jetzigen Aufgabe weitergeholfen?

CR:
Der visuelle Teil der Schönheitsindustrie hat meine heutige Arbeit sehr beeinflusst. In der Parfümwelt müssen wir uns ebenfalls nach einer visuellen Identität richten. 

Wie würden Sie, Yann Vasnier, Ihre Duftsensibilität im Vergleich
zu einer gewöhnlichen
Person einschätzen?

YV: Ich bin mir sicher, dass wir Düfte unterschiedlich wahrnehmen. Wir wurden viele Jahre in der Welt der Aromen und Gerüche trainiert, und so weiss ich, dass wir dazu tendieren, vieles, was wir riechen, zu analysieren. Dagegen geht ein Kunde nur danach, was er selbst mag. Allgemein betrachtet ist die Dufterin- nerung sehr mächtig. Wenn man einen bestimmten Duft wahrnimmt, dann bringt einen das zurück in die Vergangenheit. 

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Erstmals in einer Doppelausführung erschienen.

"English Oak & Redcurrant" und "English Oak & Hazelnut", (100ml) CHF 130, Kerze "English Oak & Redcurrant", CHF 80.

Jo Malone London.

www.jomalone.com 

 

Image Credits: ZVG

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