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Trio Infernale

Heute ist die Fülle an Duftkerzen kaum mehr zu überschauen. Und doch schwören Aficionados auf den Pionier Diptyque. Endlich hat das französische Dufthaus auch eine Dependance in der Schweiz eröffnet, genauer gesagt in Basel.
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Die erste Schweizer Dependance am Pfluggässlein 5 in Basel.

Anfang der 90er-Jahre habe ich meine erste Duftkerze von Diptyque erstanden. Ein Luxus, auf den ich nicht verzichten wollte, trotz meines sehr begrenzten Schülerbudgets. Bis heute ist mein absoluter Favorit «Figuier». Leider. Denn regelmässig war genau dieser Duft ausverkauft, und Bestellungen waren vor den Zeiten des Internets schwierig. Auch Städtetrips nach Paris waren selten zu bewerkstelligen. Umso sparsamer liess ich mich in den olfaktorischen Genuss kommen. Und darum kann ich es bestätigen: Sie brennen wirklich 60 Stunden, ich habe es gestoppt – und auch gleichmässig bis ganz zum Schluss. Das hat mit der sehr ausgeklügelten Wachsmischung zu tun und der sorgfältigen Handarbeit. Mittlerweile habe ich unzählige Duftkerzen getestet, und trotzdem komme ich immer wieder auf die Urmutter der Duftkerzen zurück. Neben «Figuier», der für mich im Sommer ein Muss ist, greife ich im Frühling auch gern zu «Gardenia», «Mimosa», «Tubéreuse» oder «Freesia» und im Herbst/Winter zu «Baies» oder «John Galliano». Ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag – immer steht eine Diptyque-Kerze auf meinem Wunschzettel. Erstmals im neuen Shop in Basel am Pfluggässlein 5 habe ich mich an die ganzen Parfüms herangewagt und mit dem Eau de Parfum «34» bereits meinen Liebling entdeckt. Hier findet man auch Raumdiffusoren, Autobedufter, Wäschepapier, Seifen, Bodylotions und Cremes – die ich mir schon zum Verschenken vorgemerkt habe. Ein Zufall ist der Ort keineswegs. Die Räumlichkeiten gehörten der Kultparfümerie Hyazinth, die seit jeher ein Mekka für Duftfans ist und mit ausgefeiltem Know-how punktet. Auch wenn der Familienbetrieb von Herrn und Frau Hegnauer längst weiterverkauft wurde, schwebt noch immer sein Geist über dem Geschäft: ein Geschenk, das man sich anlässlich des 50-Jahre-Jubiläum der Duftkerzen machen wollte. In der teuren Schweiz ist das keine ganz so einfache Angelegenheit. Wie aus dem Nichts kam Hyazinth zu Hilfe – definitiv eine Win-win-Situation, auch wenn die Fläche des ehemaligen Lagers nur knapp 13 Quadratmeter beträgt. Hier gilt eben: klein, aber fein. So haben auch die drei Freunde Christiane Gautrot, Desmond Knox-Lee und Yves Coueslant 1959 klein angefangen und gründeten 1961 ihre Firma. 

Die Diptyque-Gründer Christiane Gautrot, Desmond Knox-Lee und Yves Coueslant vor ihrer Boutique.

Anfangs setzten die Interior-Designerin, der Maler und der Theaterdirektor/Set-Designer auf Stoffe und Tapeten, die sie an Liberty und Sanderson in London verkauften. Dann eröffneten sie am Boulevard Saint Germain 34 in Paris einen Laden, in dem sie Stoffe, Kissen, Wohnmöbel, Potpourris, englische Parfüms und Fundstücke, die sie von ihren Reisen mitbrachten, verkauften – und erfanden den ersten Concept-Store, lange bevor es dafür überhaupt einen Namen gab. Da sich der Laden an einer Ecke befand und einem Flügelaltar (Diptychon) ähnelte, war der Name Diptyque schnell gefunden.   

Der erste Laden von Diptyque am Boulevard Saint Germain 34 in Paris.

Ab 1963 stellten sie die ersten Duftkerzen «Thé», «Aubépine» und «Canelle» her. Mittlerweile gibt es über fünfzig Duftnoten. Jeder Duft besteht aus einer ei- genen Wachsmischung, um die einzelnen Noten bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen. In Handarbeit entwickeln Wachsspezialisten in neun Stufen die jeweils perfekte Mischung aus acht bis neun mineralischen und einigen pflanzlichen Wachsen. Auch die Gläser werden in kostbarer Handarbeit hergestellt. Seit der Lancierung des ersten Parfüms im Jahr 1968 setzten die visionären Gründer fortan nur noch auf Parfüms, Raumdüfte und Duftkerzen. «L’Eau» ist inspiriert von einem Potpourri-Rezept aus dem 16. Jahrhundert. 

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«Canelle», eine der ersten Diptyque-Duftkerzen (links) und «L’Eau», das erste Parfum von Diptyque.

Bis heute sind alle Düfte unisex, was auch eine Neuheit war – mit durchschlagendem Erfolg. 2005 wurde die Firma an den Aktienfond Manzanita in London verkauft. Die Tradition und das Handwerk sind geblieben und finden immer wieder neue Fans auf der ganzen Welt. Bevor sich Creative Director Myriam Baudault an eine neue Kreation wagt, lässt sie sich vom Pioniergeist der Gründer inspirieren. Neu war auch die reduzierte Grafik, die bis heute nichts an Modernität eingebüsst hat. Die ovale Form des Logos erinnert an einen keltischen Schild und ist auf allen Produkten zu finden. Besonders die tanzenden Buch- staben widerspiegeln den Geist der Freiheit der 60er-Jahre. Zum 50-Jahre-Jubiläum wurde 2011 die Kollektion «34» entwickelt. Genau wie der Duft-Dieb Jean-Baptiste Grenouille aus dem Roman «Das Parfum» von Patrick Süskind wollte man den Duft des Flagship-Stores einfangen. Ein weiteres Highlight sind die Geschenkverpackungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte – auch wenn es «nur» ein Geschenk an sich selber ist. Jeder Duft hat seine eigene Kombination aus kunstvoll gefaltetem Seidenpapier in drei Farben: Dieses Ritual ist auf die Passion der Gründer für Origami und die japanische Kunst der Verpackung zurück- zuführen. Der neuste Streich ist die «Roses»-Kollektion, die unterschiedliche Rosen wie die Damaszener- und die Centifolia-Sorte verwendet. Für Duft-Fans ein Must und bestimmt einen Ausflug an den Rhein wert. 

diptyqueparis.com

 

 


Image Credits:
ZVG

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