Orange is the New Black-Star Natasha Lyonne im Interview
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"Orange is the New Black"-Star Natasha Lyonne im Interview

Von der "Orange Is The New Black"-Darstellerin Natasha Lyonne sind keine gewöhnlichen "hübsches Mädchen"-Rollen zu erwarten. Diese eigenwillige Dame folgt ihrem eigenen Weg und kann von nichts und niemandem aufgehalten werden.
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Sie ist ein eigensinniger Typ, Schauspielerin Natasha Lyonne (38). Dank der Komödie American Pie 1 und 2 (1999 und 2001) erlangte sie anfangs des neuen Jahrhunderts internationale Berühmtheit. Danach verschwand die Schauspielerin für eine Weile im Hintergrund, zumindest schien es so - nun ist sie bereits seit ein paar Jahre als drogensüchtiger, wandelnder Tornado Nicky Nichols in der Netflix-Serie Orange is the New Black zu sehen, von der bald die sechste Staffel erscheinen wird.

Wir treffen Natasha Lyonne in den Studios von Kenzo. Dies ist kein Zufall, denn die Schauspielerin ist eine gute Freundin von Kenzos Creative Directors Humberto Leon und Carol Lim. Ausserdem spielte sie in einem Kampagnenfilm des Modehauses mit und trat danach in die Fussstapfen von Spike Jonze, indem sie die Leitung des Kampagnen-Films für den Herbst/Winter 2017 übernahm.

Ich wollte eine Frau darstellen, die ihr Leben alleine meistern kann.

L'OFFICIEL: Es gibt mehr und mehr Überschneidungen zwischen der Film- und Modewelt. Was hat dich dazu motiviert, mit Kenzo zusammenzuarbeiten? 
Wenn Leute mich sehen, denken sie nicht als erstes an Mode. Ich nahm die Rolle in dem Kenzo-Film "The Realest Real" von Carrie Brownstein vor allem deshalb an, weil ich mit ihr zusammenarbeiten wollte. Aber auch, weil Humberto Leon und Carol Lim gute Freunde sind. Es ist übrigens kein Fashion-Film. Kenzos Filme sind so viel mehr als das!

Nach "The Realest Real" hast du angefangen, einen Film für Kenzo zu drehen: "Cabiria, Charity, Chastity". Wie war das für dich? 
Als Humberto mich fragte, dachte ich zuerst, er wäre verrückt geworden! (lacht) Aber ich sah schon deutlich vor meinem inneren Auge, was ich machen wollte. Humor musste die Basis sein und eine ungewöhnliche Interaktion zwischen der männlichen und weiblichen Hauptfigur sollte im Zentrum stehen. In Filmen spielen Frauen immer die Rolle Verführerin, die den Protagonisten um den Fingern wickelt. Ich wollte etwas anderes betonen: Wenn meine Protagonistin mit ihrem männlichen Protagonisten ins Bett gehen will, kann sie das grundsätzlich, aber sie hat einfach auch andere Dinge zu tun. Ich wollte das Klischee umdrehen und den männlichen Protagonisten zu einem schönen Attribut machen, während der weibliche Charakter dynamisch und komplex ist.

Gibt es das nicht schon in Filmen? 
Nein. Im Hintergrund schlummert immer die Annahme, dass eine Frau die Wertschätzung eines Mannes braucht, um sich stark genug zu fühlen, im Leben etwas erreichen zu können, ungeachtet all der Problemen, die sie in ihrem Leben bereits überwunden hat. Ich wollte eine Frau darstellen, die ihr Leben alleine meistern kann.

Warum dieser Wunsch? Kommt das aus einer persönlichen Frustration? 
In der Kunst gibt es oft einen autobiografischen Aspekt. Vielleicht war das meine Art, meiner Vergangenheit einen Platz zu geben. Ich bin mit einem narzisstischen Vater aufgewachsen, der von Kindheit an von der Tatsache besessen war, dass ich im Showbusiness erfolgreich sein musste. Ich war erst sechs Jahre alt, als er mich in diese Richtung drückte. Heute kann ich sagen, dass ich mich von seinem Joch getrennt habe, aber eigentlich ist das ein Wunder. Die Geschichte in meinem Kenzo-Film handelt im Wesentlichen von einer Frau, die aufhört, eine Marionette ihres eigenen Lebens zu sein, in einer Welt, die zunehmend gestörter wird.

Kannst du uns etwas über den Horrorfilm von "Antibirth" erzählen, den du 2016 zusammen mit Chloe Sevigny produziert hast? 
(lacht) Nun, gibt es etwas seltsameres als eine Schwangerschaft? Ich finde, dass Kinder-Kriegen eine Anomalie sein sollten: Es ist eine so schockierende, prägende und radikale Entscheidung! Was ich sagen will, ist: Wenn Sie auf die Dreissig zugehen, "müssen" Sie sich entscheiden, ob Sie Kinder bekommen wollen. Ist das nicht bizarr? Warum würden Sie Kinder haben wollen? Jede Minute wird die Erde zu einem weniger sicheren Ort: Eisberge schmelzen, Scheidungsraten steigen. Die traditionelle Familienplanung hat keine Grundlage mehr und wir müssten trotzdem neue Kinder auf diesen Erdball setzen. Ich denke,  die Leute sollten besser über diese Entscheidung nachdenken.
 

Sehen Sie sich den Natashas Kenzo-Film Cabiria, Charity, Chastity unten an.

KENZO Herbst/Winter 2017

Image Credits:
ZVG

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