Angela Lindvall: "Ich predige keinen perfekten Lebensstil"
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Angela Lindvall: "Ich predige keinen perfekten Lebensstil"

Von den Topmodels der goldenen 90er-Jahre haben sich wenige der- massen neu erfunden wie Angela Lindvall. Abseits der Öffentlichkeit führt sie heute ein aufs innere Wohlbefinden ausgerichtetes Leben, steht mit beiden Füssen auf dem Boden und gibt auf ihrem eleganten Anwesen im Topanga Canyon in Kalifornien Yogakurse.
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Angela Lindvall ist durch und durch Kalifornierin. Die lächelnde Vierzigjährige wirkt riesig in ihrem Gucci-Trikot. Sie wurde mit 14 Jahren entdeckt und vom Haus in der Ära Tom Ford gefeiert. In der Villa in Los Angeles, wo wir sie treffen, verströmt sie eine magnetische, fast himmlische Aura. Sie hat den Gang eines Topmodels, den vertrauensvollen Klang einer zweifachen Mutter und in den Augen eine olympische Weisheit. Die 1,80 Meter grosse Blondine hat in ihrer Modelkarriere mit den Grössten der Branche zusammengearbeitet, sich jedoch schon immer für Spirituelles begeistert. Heute gibt sie ihr Wissen auf ihrer neuen Plattform namens "Peace Begins In Me" weiter, einem dem Wohlbefinden und dem Kundalini-Yoga, einer der ältesten Yoga-Praktiken, gewidmeten Paradies. Und wenn man sie bittet, einige ihrer Lieblingsposen auszuführen, zeigt sie weder die Kobra noch den herabschauenden Hund, sondern Positionen im Schneidersitz, ein Finger auf dem Nasenloch und mit einer schnellen und tiefen Atmung, um das Blut zu entgiften, Energien vom Steissbein bis zum dritten Auge freizusetzen und eine höhere Bewusstseinsebene zu erreichen, weit über der spürbaren Wirklichkeit. "Eine fast metaphysische Erfahrung, um besser zu leben", erklärt Angela. Wir lassen uns am Rand eines Pools in den Hügeln von Beverly Hills mehr darüber erzählen und uns einführen. 

L’OFFICIEL: Sie haben Ihr Haus im Topanga Canyon in ein umweltfreundliches Wellnescenter verwandelt und unterrichten dort Kundalini-Yoga. Was hat Sie auf diesen Weg geführt?

Angela Lindvall: Schon immer war ich vom Metaphysischen fasziniert, von den alten Kulturen und der Psychologie. Doch erst während eher düsteren Lebensabschnitten wie meiner Scheidung und dem Tod meiner Schwester habe ich mich ernsthaft damit auseinandergesetzt. Ich habe mir Fragen über unsere Beziehung zur physischen Realität gestellt. Die Meditation wurde eine tägliche Beschäftigung. Ich nahm Kurse in Kundalini-Yoga und habe richtig psychische Erfahrungen gemacht. Ich wollte weitergehen und bin beim Unterrichten gelandet.

 

Wie stellen Sie Ihre Workshops zusammen?

Der Ausgangspunkt ist das Alter meiner Gäste, denn ihre Erwartungen unterscheiden sich je nach Lebens- abschnitt. Im Moment arbeite ich an einem Workshop für Mädchen zwischen 19 und 24 Jahren. 

Warum gerade für sie?

Ich erinnere mich, dass ich in diesem Alter das Bedürfnis hatte, zu wissen, wer ich bin, und die Welt um mich herum zu verstehen. Ich war mitten in der Modelkarriere. Ich habe gemerkt, wie einfach man das Innere vergisst und nur das Oberflächliche sieht und sich darin verliert. Damals hätte ich mir gewünscht, darin unterrichtet zu werden. Den Frauen in diesem Alter steht noch alles offen. Sie sind vielleicht die künftigen Leaderinnen und verdienen, dass man sie führt. Ich kann ihnen helfen, sich mit ihrem inneren Ich zu verbinden, das begeistert mich. 

 

Worin unterscheidet sich Kundalini-Yoga von anderen Yoga-Praktiken?

Es kombiniert alle Formen von Yoga. Es stammt direkt von Raja, einem Yoga, das wegen seiner grossen Macht auf das Bewusstsein quasi heimlich praktiziert wurde. In den 70er-Jahren ist es in Kalifornien ange- kommen, um Junkies dabei zu helfen, von den Drogen loszukommen. Es arbeitet vor allem mit der Atmung und beeinflusst das Hormonsystem, indem es die Energien von der Basis der Wir- belsäule ansteigen lässt bis zur Zirbeldrüse, auch drittes Auge genannt, was das Nervensystem ausbalanciert. 

Wie beeinflusst es den Alltag?

Es ermöglicht, in sich selbst zu leben und nicht immer in der Aussenwelt, es hilft, seine Identität zu finden ausserhalb der Blicke der anderen. Ich predige nicht einen perfekten Lebensstil, bei dem man immer in einem Zen-Zustand sein muss, sondern vielmehr die Möglichkeit, eine Wahl zu treffen, wie man auf kleine, alltägliche Ereignisse reagieren kann.

 

Wie gehen Sie mit negativen Energien um?

Ich habe gerade eine schwierige Zeit hinter mir, in der ich mich von einer "giftigen" Person aus meinem familiären Umfeld habe mitreissen lassen. Ich kehrte eben von der Fashion Week in Paris zurück und war ziemlich müde. Ich merkte, dass ich ihm zu viel Macht über meine Lebensenergie liess, als ob ich sie ihm gegeben hätte. So beschloss ich, in mir die Kraft zu suchen, ihm zu verzeihen und mir bewusst zu machen, dass seine Tätigkeiten und seine per- sönlichen Entscheidungen mein Leben nicht beeinflussen. Es ist sehr menschlich, recht haben zu wollen und andere zu beschuldigen. Aber man muss manchmal nachgeben und verzeihen. Ich wollte herausfinden, was es in dieser Person noch Schönes gab, und das hat mir geholfen, mich besser zu fühlen und Dramen zu verhindern. 

Lesen Sie das gesamte Interview in der aktuellen Ausgabe der L'OFFICIEL Schweiz.

Eine Yoga-Klasse von Topmodel Angela Lindvall - DER OFFIZIELLE

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