A woman of impact: Nadja Swarovski
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A woman of impact: Nadja Swarovski

Es gibt Begegnungen und Gespräche, die einem eine lange Zeit in Erinnerung bleiben, die einen inspirieren und vielleicht auch ein Stück weit antreiben, ein neues Ziel anzustreben. Es kann der Nachbar sein, der eigene Partner – oder jemand in der Führungsposition eines globalen Unternehmens, der auch noch einer Kristall-Dynastie entsprungen ist.
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So geschehen am "Women of Impact"-Lunch im Rahmen des Zürich Film Festival. Dort traf ich eine Frau, die mit ihrem visionären und modernen Führungsstil in der Firma Swarovski mit so viel gutem Beispiel bezüglich Frauen in der Arbeitswelt vorangeht, dass sich einige Unternehmen eine Scheibe davon abschneiden könnten.

L’OFFICIEL Schweiz: Frau Swarovski, Sie engagieren 70% Frauen und zählen eine weibliche Kundschaft von 90% – wie kommt es, dass sich die Firma so aktiv für Frauen einsetzt?
Nadja Swarovski: Es war das Anliegen meines Ururgrossvaters Daniel Swarovski, als er die Firma 1895 gründete, einen Diamanten für jede Frau zu erschaffen, denn damals waren Diamanten nur Adeligen vorbehalten. Er wollte jeder Frau das Gefühl ermöglichen, zu wissen, wie es ist, einen solch wertvollen Stein zu tragen. Das war seine Weise, das weibliche Geschlecht zu "empowern", und diese Mission hat er seinen Söhnen, Enkeln und Urenkeln weitergegeben. So auch meinem Vater. Das ist einer der Gründe, wieso sich Swarovski so bewusst für Frauen einsetzt.
Zudem sind wir Unterzeichner des UN Global Compact. Das ist ein Abkommen, das die UNO mit einigen weltweiten Unternehmen geschlossen hat und das Firmen durch zehn universelle Prinzipien zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung verpflichtet. Neben Umwelt, Klima und Korruptionsprävention gehören auch angemes- sene Arbeitsnormen und Menschenrechte dazu. Daraus entwickelte sich eine engere Zusammenarbeit mit dem UN Women’s Empowerment Program, das selber sieben Prinzipien verfolgt wie unter anderem die Gleichstellung der Geschlechter. Diese Prinzipien versucht Swarovski in das Unternehmen zu integrieren und dort zu verankern. Diversity und Inclusion, also Vielfalt und Integration, ist ein grosses Thema bei Swarovski.

Was tun Sie in Ihrem Alltag persönlich für das Frauen-Empowerment?
(überlegt kurz) Wenn ich an den heutigen Tag denke, fällt mir als Erstes meine gute Fee und Haushaltshilfe Linda aus den Philippinen ein. (lacht) Für mich ist Linda ein Teil der Familie und ein Stück weit auch wie meine Grossmutter. Wir fallen uns nach längerer Abwesenheit immer in die Arme und herzen uns. Ich schätze sie wahnsinnig, und das zeige ich ihr auch bewusst. Kann man das Empowerment nennen? Meiner Meinung nach ja! Ich versuche, die Menschen in meinem Umfeld durch Wertschätzung zu stärken.

Haben Sie ein weibliches Vorbild? Wenn ja, was fasziniert Sie an dieser Person?
Ich muss gestehen, dass ich mir mein Leben lang immer Vorbilder gesucht und ihnen dann nachgeeifert habe. Es waren immer Frauen, die ein grosses Herz hatten und eine grosse Arbeitsethik, wie zum Beispiel meine Mutter, Grossmutter oder meine Chefin, die grosse Modejournalistin Eleanor Lambert, die mit 92 Jahren noch gearbeitet hat und von der ich die Macht der Wertschätzung gelernt habe.

Sie haben selber zwei junge Töchter: Wie empfinden Sie das soziale Umfeld, in das Ihre Kinder hineinwachsen? Würden Sie sagen, dass sich die Dinge – im Vergleich zu früher – wie der Umgang unter jungen Mädchen oder die Karrierechancen der Frauen stark verändert haben?
Absolut! Ich bin auch der Meinung, dass unsere Kinder viel schneller erwachsen werden als wir damals. Dass der heutigen Jugend das Internet zur Verfügung steht, gibt ihnen wahnsinnig viel Informationen und Optionen. Das kommt, wie so vieles, mit einer positiven und einer negativen Seite. Zum einen haben sie sehr erwachsene Vorbilder, denen sie nacheifern möchten, auch wenn diese oft nicht ganz altersgerecht sind. Zum anderen haben sie die Möglichkeit, durch einen konstanten Informationsfluss sich eine eigene Meinung zu bilden und sich dadurch zu emanzipieren.

Von Sophia Amorusos Buch "Girl Boss" bis hin zur Punkrock-Band Pussy Riot: Starke weibliche Vorbilder sind vor allem in den letzten zehn Jahren immer mehr aufgekommen, obwohl die weibliche Revolution schon seit den 60er-Jahren am Tun ist. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung, wo die Stars und Sternchen unserer Popkultur doch immer freizügiger werden?
Das sind halt die Superstars unserer Zeit, und in dieser Industrie benötigt man ein gewisses Image, um berühmt zu werden. Aber Sie haben recht, die weibliche Revolution hat schon in den 60er-Jahren angefangen. Meiner Meinung nach aber anders als heute. Für mich persönlich geht es heute nicht ausschliesslich um "Women Empowerment", sondern um "Human Empowerment". Es ist wichtig, dass jede Person, ob Frau oder Mann, die Möglichkeit hat, sich weiterzuentwickeln, dass sie gehört und gesehen wird aufgrund des Talents oder der Arbeit, die sie leistet. Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, dass Female Empowerment bei Swarovski kein "Anti-Mann-Movement" ist, sondern ein "Pro-Mankind-Movement". Das Wort "kind" (englisch für "freundlich, gütig") ist hier sehr wichtig, denn meiner Meinung nach ist Güte eine der wichtigsten Zutaten für Gleichberechtigung.

Was halten Sie von solch extremen Formen des Feminismus, wie sie Pussy Riot praktiziert?
Ich finde, was Pussy Riot macht, ist zu extrem, denn auf diese Weise kann eine Welle von Gegenreaktionen hervorgerufen werden, die oft kein gutes Ende finden.

Diese Frage habe ich Frauen in Führungspositionen schon öfter gestellt: Was raten Sie jungen Frauen, die sich in einem von Männern dominierten Umfeld bewegen und beweisen wollen?
Bei Swarovski schätzen wir den Kandidaten nicht nach Geschlecht ein, sondern bewerten ihn nach seinem Intellekt. Bildet euch und stellt sicher, dass eure Arbeit für sich selbst spricht!

Wenn Sie in der Zeit zurückreisen könnten, was würden Sie Ihrem jüngeren Selbst mit auf den Weg geben?
(überlegt lange) Glaube an dich selber und gib niemals auf! Und ja, du hättest dir die Zeit erlauben sollen, um doch auf diese Hochschule zu gehen ...

www.swarovski.com 

 

Image Credits:
Remy Steiner

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