Pop Culture

Kreative Köpfe im Gespräch

Im Sommer trafen wir das Designduo Viktor & Rolf anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Atelier Swaroski in Zürich. Die grossen Künstler aus den Niederlanden gehen ihren eigenen Weg in der Modeindustrie, und das bereits seit 25 Jahren sehr erfolgreich.
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L’OFFICIEL Schweiz: Welche Botschaft möchtet ihr durch euren Modebrand Viktor & Rolf vermitteln?
Viktor & Rolf: Wir benutzen Mode als Tool und als eine Art Selbstporträt. Es geht bei unseren Kleidern sehr stark um uns selbst – unsere Emotionen und wie wir uns gegenüber der gegenwärtigen Mode gerade fühlen. Es kann also sehr persönlich sein, und die Bandbreite unserer Gefühle reicht von positiv bis negativ und wechselt ständig.

 

Eure Mode geht Hand in Hand mit Kunst. Kommt die Inspiration für eure Kollektionen ebenfalls aus der Kunst?
Nicht unbedingt. Wir interessieren uns sehr für Kunst, und auf unseren Reisen besuchen wir oft Galerien oder Museen – es ist uns wichtig, dass wir informiert sind. Wir arbeiten aber nicht auf einer stilistischen Ebene – wir haben keine Bilder oder Kunstwerke als Inspiration. Fashion ist unsere Inspiration.

 

Heute lastet ein immer grösserer Druck auf Modedesignern. Die Shows werden aufwendiger und imposanter. Die sozialen Medien sind ein Medium, das nicht mehr wegzudenken ist. Wie hat sich eure Arbeit dadurch verändert?
Wir sagen immer: Backstage wurde zur neuen Bühne. Zum einen sind wir gegenüber diesem Wandel sehr offen, denn wir haben bemerkt, dass sich viel mehr Leute für Mode interessieren und wissen, was sich in der Welt der Mode abspielt. Zum anderen fühlen wir einen Mangel an Hintergrund, denn es bleibt kein Platz mehr, sich Gedanken zu machen.

«We are fashion artists» - Victor&Rolf

Also benutzt ihr Instagram und Co. regelmässig?
Absolut. Es ist keine Option, kein Mitglied dieser «neuen» Gesellschaft zu sein, aber unser Fokus liegt auf unserer Arbeit. Unsere Kommunikation geschieht via unsere Kleidung, und die sozialen Medien nehmen eher eine unterstützende Rolle ein. Social Media können nämlich süchtig machen.

 

2014 habt ihr die erste Kollektion mit Atelier Swarovksi kreiert. Was waren die grössten Unterschiede zwischen der Herstellung von Kleidung und Schmuck?
Wir glauben, das Vorgehen ist das gleiche. Man braucht eine zündende Idee und baut darauf ein Konzept auf. In diesem Fall wollten Kristalle verarbeitet werden. Der technische Aspekt ist aber eine Challenge – unsere erste Idee wurde von Swarovski glatt abgelehnt, da die Verarbeitung sehr detailgetreu und schwierig umzusetzen war. Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen, und so haben wir wieder und wieder sehr freundlich nachgefragt (beide lachen), und nach einer Weile haben wir es geschafft und konnten Swarovski überzeugen. Es war auf jeden Fall eine Herausforderung für beide Seiten. Das Schöne: Es gab keine fixe Deadline wie bei Kleidern, denn die Prozess in der Schmuckherstellung dauern definitiv länger als bei Kleidung.

 

Wie begann die Zusammenarbeit mit Swarovski?
Wir kennen Nadja Swarovski bereits seit den Anfängen unserer Karriere. Eine unserer ersten Kollektionen war eine Kollaboration mit Swarovski: eine Couture-Kollektion. Als Inspiration diente eine russische Puppe, die wir in den Fokus rückten. Wir hatten ein Model auf einer Bühne und hüllten es in verschiedenen Schichten von Kleidungsstücken – so wurde es grösser und grösser ... Jede Schicht hatte Swarovski-Kristalle eingearbeitet. Das war ein sehr wichtiger Moment in unserer Karriere, wir haben damit auch internationale Anerkennung erhalten.

 

Was sind die Pläne bis Ende Jahr?
Dieses Jahr ist bereits unser 25. Jubiläum. Wir eröffnen eine Retrospektive in Rotterdam, im Juli kam unser Buch bei Phaidon heraus: «Cover Cover». Zudem haben wir ein neues Parfüm kreiert. Also ganz schön viel – wir freuen uns sehr, dass schon wieder viele neue Projekte anstehen.

viktor-rolf.com          swarovski.com



Image Credit:
ZVG

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