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Rückblick und Aussicht

Am 1. Mai 1890 gingen in der Schweiz die ArbeiterInnen für ihre Rechte auf die Strasse. Das zog sich Jahr für Jahr durch, so dass wir noch heute am 1. Mai den Tag der Arbeit feiern. Wir verraten Ihnen, was das mit Frauenrechten und Gleichberechtigung zu tun hat.
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© Valery Lemay

Angefangen hat die ArbeiterInnenbewegung mit der Forderung nach der Reduzierung eines 12-Stunden-Tags auf einen 8-Stunden-Tag. Dieses Anliegen lag den SchweizerInnen so am Herzen, dass sich am 1. Mai 1890, inspiriert von den amerikanischen LeidensgenossInnen, in 34 Orten der Schweiz Arbeitsnehmende auf den Strassen versammelten und für ihre Rechte demonstrierten. Und das tun sie bis heute. Viele Ziele wurden schon erreicht, viele Hindernisse müssen noch aus dem Weg geräumt werden.

Dieses Jahr steht der Tag der Arbeit unter anderem im Zeichen des nationalen Frauen*streiks am 14. Juni 2019. Dieser findet in diesem Rahmen in der Schweiz bereits zum zweiten Mal statt, das erste Mal 1991. Damals ging es um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, grundsätzlich also um Gleichberechtigung. Warum brauchen wir denn noch so einen Streik im Jahr 2019? Wir haben doch schon längst so viel erreicht.

Ja, wir haben viel erreicht. Zum Beispiel die Einführung des Frauenstimmrechts 1971. Zehn Jahre später wurde dann der Gleichberechtigungsartikel in die Schweizer Bundesverfassung aufgenommen, womit Frauen und Männern unter anderem nun auch gesetzlich geregelt Anspruch auf gleichen Lohn hatten. 1984 wurde Elisabeth Kopp als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Nur ein Jahr später wurde schliesslich die Änderung des Schweizer Eherechts vom Stimmvolk angenommen, womit die Ehe offiziell nicht mehr patriarchal sondern partnerschaftlich geregelt werden konnte.

Es gibt viele Gründe, sich über die Errungenschaften der Frauen zu freuen, doch es ist noch nicht an der Zeit, sich darauf auszuruhen.

Als Konsequenz dieser Veränderungen hat sich auch der Arbeitsmarkt verändert. Frauen sind allgemein mehr erwerbstätig, auch immer mehr Mütter. So gingen zum Beispiel 2018 etwa drei Viertel der Mütter in der Schweiz einer Arbeit nach. Zum Vergleich: 2010 waren es noch zwei Drittel. Ausserdem gehen immer mehr Väter in Teilzeit, um der Partnerin mehr Zeit für ihre Karriere zu ermöglichen und die Familie an sich mit dem Verrichten von Hausarbeit und Kindererziehung zu unterstützen. Und auch in den Führungspositionen holen die Frauen auf. Seit 1996 hat der Prozentsatz der Frauen in Unternehmungsleitung oder mit Vorgesetztenfunktion um rund sieben Prozent zugenommen. Besonders schön: Aktuell setzt sich der Schweizer Bundesrat aus drei Frauen und vier Männern zusammen.

Die Schweizer Frauen haben also bereits einen langen Weg hinter sich. Doch auch noch einen vor sich. Es gibt viele Gründe, sich über die Errungenschaften der Frauen zu freuen, doch es ist noch nicht an der Zeit, sich darauf auszuruhen. Es gibt noch immer eine Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern von rund 20 Prozent. Das ist unter anderem auf unterschiedliche Faktoren wie Alter, Ausbildung, Berufserfahrung und Positionen in der Firmenhierarchie zurückzuführen. Doch auch nach dieser Abrechnung bleibt ein unbegründeter Unterschied zwischen den Löhnen von Männern und Frauen zurück. Das muss sich ändern. Und auch einige der nachvollziehbaren Faktoren sind Dinge, die wir positiv beeinflussen könnten. Beispielsweise durch das Ersetzen des Mutterschaftsurlaubs durch Elternschaftsurlaub, so dass nicht nur die Frau ihre Karriere unterbrechen muss, um zuhause zu bleiben. Oder durch die vermehrte Schaffung von Prozentstellen, auch in hohen Positionen, so dass alles, was die Familie und den Haushalt betrifft, nicht nur auf den Schultern der Frau lastet. Oder durch die Aufwertung von Care-Arbeit, bezahlter sowie unbezahlter.

Es gibt noch viele weitere Dinge, die zugunsten der Gleichberechtigung im Arbeitsleben angegangen und verändert werden können und müssen. Der 1. Mai bietet sich perfekt dazu an, sich bei Kaffee und Kuchen mit KollegInnen über Gleichberechtigung zu unterhalten und den hinter uns liegenden Weg sowie die vor uns liegenden Hürden zu reflektieren. Und den eigenen Beitrag zur Veränderung zu erwägen.

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